Dieser Eintrag ist schon etwas älter, hab immer meinen Flash vergessen wenn ich mal Internet hatte....
also.
Nun bin ich seit drei Tagen wieder in La Y und hab einen Haufen ungeplanter Dinge erlebt.
Merke wie glücklich mich mein Leben hier macht, und würde am liebsten noch viel länger hier bleiben…
Momentan erschüttert La Y eine kleine Familientragödie.
In einer Familie hat eine Mutter versucht sich vor ein paar Monaten mit Insektengift das Leben zu nehmen. Nun ist ihr Sohn mit 26 Jahren durch einen Unfall im Wald verunglückt, eine Sache die hier häufig Todesursache ist. Auch ich kenne die Familie, und bin mit der Tochter befreundet. Hier ist es üblich, neun Tage, danach nach einem Monat, nach sechs Monaten usw. dem Toten zu gedenken. Die Familie hat mich gefragt, ob ich auch teilnehmen möchte.
Zusammen sind wir also nach Quininde gefahren, zu zwanzigst stehend auf der Ladefläche eines Autos, durch die wunderschöne Landschaft, erfrischende Kühle im Gesicht. In Quininde sind wir zuerst in einen Gottesdienst gegangen. Was bei uns Kirche ausmacht, die Musik und die Töne, wird hier auf Tonband gespielt, selbst das Geräusch von Kirchenläuten.
Danach sind wir ins Haus der Familie gegangen, haben köstliche selbstgemachte heiße Schokolade getrunken und geredet. Im selben Raum befanden sich neun Stufen, über die ein weißes Tuch gelegt wurde. Hier wurden Kerzen, Fotos und Blumen aufgestellt.
Um Punkt 12 Uhr nachts haben wir gemeinsam gebetet, das Licht ausgemacht, und Menschen haben angefangen den Altar abzuräumen. Eine Frau ist vor Emotionen umgekippt. Danach haben wir einen Mitternachtsschmaus zu uns genommen (Hühnchenfleischsuppe mit Yucca)
Um drei Uhr morgens sind wir erschöpft und durchgefroren wieder in La Y angekommen. Ich war sehr berührt, dass ich Teil dieser Zeremonie sein durfte.
Am nächsten Tag hat eine Kommunion hier in der Kirche stattgefunden.
Auf dem Altar stand die heilige Maria, an ihrem pinken Gewand klebten Dollarscheine. Im Hintergrund leuchtete Weihnachtsbeleuchtung im Sekundentakt, Schleifchen aus Klopapier bedecken die sonst so kalt wirkenden GlĂĽhbirnen, riesige Insekten surrten durch die Luft. Die sonst so kahle Kirche war herrlich kitschig geschmĂĽckt. Nach der Kommunion sollte die Dorffiesta stattfinden, auf die ich mich schon lange gefreut habe. Der Todesfall hat einen Schatten auf meine Vorfreude geworfen.
Ich weiĂź nicht, ob es ein unbeschriebenes Gesetzt ist, oder ob es wirklich irgendwo steht, aber nach einem Todesfall wird ein Monat lang nicht getanzt. Dennoch haben die Kirchmitglieder und Organisatoren des Festes ironischerweise darauf bestanden, dass die Fiesta stattfindet. Die Freunde der Familie, darunter auch ich, haben beschlossen, aus Respekt vor dem Verstorbenen nicht zur Fiesta zu gehen.
Am nächsten Morgen bin ich um acht Uhr aufgewacht, die Musik läuft immer noch, die Leute sind immer noch am feiern. In derselben Nacht gab es im Subcentro einen Notfall, den ich schlicht weg verschlafen habe. Der Mann der Familie hat versucht, sich mit Gift das Leben zu nehmen. Soviel zur Familientragödie.
Hab in den letzten Tagen viel in der Praxis beobachtet, Lungen abgehört, Bäuche abgetastet. Gerade bin ich dabei durch Trockenübungen zu lernen, wie man Wunden vernäht. Ich finde die Arbeit sehr spannend und lerne jeden Tag etwas Neues. Heute hatten wir einen weiteren Fall des Parasiten "Leishmaniasis", gar nicht so weit von hier. Hoffe dass ich selbst nicht an Leishmaniasis erkranken werde.